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Wo ist denn ihr Gott?

Ein Mensch schaut in den Sternenhimmel.
Datum:
Veröffentlicht: 13.2.26
Von:
Anja Baumer-Löw

Das ist der zweite Teil der Frage. Wenn der Prophet Joel die Frage stellt: „Warum soll man bei den Völkern sagen, wo ist denn ihr Gott?“, dann meint der damit das höhnische Grinsen der Sieger, wenn die Unterlegenen am Boden liegen. Wer hilft dir denn jetzt? Wie fühlt es sich an, am Boden zu liegen? Und: Wie willst du aus der Sch… jetzt wieder herauskommen?

Für die Zeitgenossen des Propheten ist das Realität: Dem Volk ist auf Grund mangelnder Solidarität, einer korrupten Führungselite und fehlender Zukunftsperspektiven die eigene Identität, der Zusammenhalt, das Gefühl, etwas bewegen zu können, abhanden gekommen. Angesichts mächtiger Nachbarn, die die natürlichen Ressourcen dieses Küstenlandes und seine geostrategische Lage gern im eigenen Imperium hätten, ist die Gefahr real, von der Landkarte getilgt zu werden. Daran erinnert der Prophet, schließlich ist das im Lauf der Geschichte schon passiert – und Großmachtfantasien haben manche auch heute noch!  

Und wenn das Volk am Boden liegt, so die Logik der damaligen Zeit, dann ist sein Gott entweder ein Schwächling oder eben nicht da – das sehen wir heute anders.

Trotzdem ist diese Frage, „Wo ist denn ihr Gott?“, eine, die wir uns heute gefallen lassen müssen: Wo sieht man denn im Alltag, dass hier Christinnen und Christen tätig sind?

Die Fastenzeit, die wir mit dem heutigen Aschermittwoch beginnen, fordert uns auf, genau auf diese Frage eine Antwort zu finden. Let’s go.