Eine Woche „Urlaub für die Seele“

Taizé. In der vergangenen Woche haben 50 Jugendliche und junge Erwachsene zusammen mit knapp 3.500 weiteren Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt einige Zeit in Taizé verbracht. Die Fahrt, die von der Anreise am 9. August bis zur Heimreise am 16. August dauerte, wurde vom Jugendamt der Erzdiözese (EJA) Bamberg und der Kirchlichen Jugendarbeit (kja) Mainfranken veranstaltet.
Taizé ist ein französischer Ort in der Nähe von Cluny. 1949 begann die ökumenische Communauté de Taizé, sich dort niederzulassen. Inzwischen finden rund um diese ca. 80 Brüder umfassende Gemeinschaft je einwöchige Jugendtreffen statt, zu denen jährlich insgesamt etwa 100.000 Besucherinnen und Besucher kommen. Diese vielen jungen Menschen pflegen in Taizé eine Zeit lang einen zwar einfachen, aber dadurch auch sehr verbindenden Lebensstil, was zum Beispiel durch die Unterbringung in Zelten oder in einfachen Holzhütten zum Ausdruck kommt. Außerdem bilden sich durch das internationale Zusammensein Bekanntschaften untereinander und nicht zuletzt kann auch die eigene Beziehung zu Gott auf eine neue Weise gelebt werden.
Verschiedene Programmpunkte gliedern den Tagesrhythmus
Während der Treffen ist der Tagesablauf klar strukturiert: Das Grundgerüst bilden drei Gebetszeiten am Morgen, Mittag und Abend. Ergänzt werden sie durch eine 30- bis 45-minütige Bibeleinführung durch einen der Brüder der Communauté, die altersspezifisch angeboten wird. Später am Tag besteht dann in kleineren Gruppen von 6 bis 10 Personen die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Dabei ist der besprochene Bibeltext eine Richtschnur, wobei aber meistens auch persönliche Wünsche, Sorgen oder Anliegen der Teilnehmenden Gesprächsstoff sind. Auch die verschiedenen konfessionellen Hintergründe der Gruppenmitglieder können eine spannende Perspektive sein. So entsteht im Laufe der Woche häufig eine sehr vertraute Gemeinschaft.
Dadurch, dass zwischen diesen festen Programmpunkten immer Zeit bleibt, für sich allein zu sein, zur Ruhe zu kommen oder zu beten, fühlt man sich dennoch nicht gestresst. Eine Teilnehmerin prägte aus diesem Grund den Ausdruck „Urlaub für die Seele“. Die Zeit in Taizé lasse sich am besten beschreiben mit „zu sich kommen, aber trotzdem mit ganz vielen Menschen sein. Man trifft hier auf so viele unterschiedliche Perspektiven, das ist schon immer wieder eine Bereicherung.“
Zu den in Taizé gemachten Erfahrungen kamen in diesem Jahr noch zwei weitere Besonderheiten: Zum einen war das für einen Teil der Gruppe ein Ausflug nach Cluny mit der Besichtigung der Stadt und der Reste der Klosteranlage. Zum anderen gab es am Mittwochabend die Sonnenfinsternis zu bestaunen. Anlässlich dieses Naturschauspiels wurde sogar das Abendgebet um 30 Minuten verschoben, was nur selten passiert. Einer der Brüder erklärte augenzwinkernd: „Die Sonne können wir nicht ändern, unsere Gebetszeit schon.“
Gesänge und persönlicher Austausch bieten internationale Kontaktmöglichkeiten
Was weit über Taizé hinaus bekannt ist, sind die typischen Gesänge in verschiedenen Sprachen. Sie bestehen aus einer kurzen Aussage oder einem Vers, oft der Bibel entnommen, und werden viele Male wiederholt. Durch den meditativen Charakter, den sie so bekommen, entstehen häufig ganz eigene Gedanken und Verbindungen zum gesungenen Text. Viele verschiedene Assoziationen kamen bei den Teilnehmenden auf, beispielsweise Frieden, Ruhe, beruhigend, man kann einfach mal abschalten. Auch die internationale Gemeinschaft, die durch das Singen in verschiedenen Sprachen gestärkt werden könne, wurde oft genannt. Eine Mitfahrerin habe unter anderem durch die Lieder „eine neue Art kennengelernt, Gott zu begegnen“.
Darüber hinaus nimmt auch der persönliche Austausch mit anderen jungen Menschen einen großen Raum ein, zum Beispiel am sogenannten „Oyak“. In diesem einem Kiosk ähnlichen Bereich werden unter anderem Eis und kühle Getränke verkauft, was bei Temperaturen von täglich an die 40° C in der vergangenen Woche rege angenommen wurde. Abends spielen oft spontan entstandene Gruppierungen Livemusik und es wird dazu getanzt. Dadurch, dass die Besucherinnen und Besucher aus vielen verschiedenen Ländern kommen (in der vergangenen Woche vor allem aus Schweden, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Spanien), ist für jede und jeden auch etwas Neues und Unbekanntes dabei. So entstehen Freundschaften über Ländergrenzen hinweg, die teilweise lange anhalten.
Jede und jeder der Anwesenden bekommt am Beginn der Woche einen kleinen Job zugeteilt, damit das Zusammenleben funktionieren kann. Das kann die Mithilfe beim Ausgeben der Mahlzeiten oder beim anschließenden Abspülen sein oder beispielsweise das regelmäßige Putzen des Bodens im weitläufigen Kirchengebäude. In der Gemeinschaft lassen sich selbst unangenehmere Aufgaben wie das Putzen der Toiletten positiv sehen, wie ein Teilnehmer verrät: „Wenn man gemeinsam anpackt, dann geht das einfach alles recht schnell und man hat danach auch wieder saubere Toiletten. Man weiß, was man geschafft hat.“
Kommende Fahrten nach Taizé
Folgt man der Meinung eines Mitfahrers aus der Bamberger Gruppe, dann lässt sich festhalten: „Die Erfahrung, in Taizé zu sein, muss jeder mindestens einmal erleben.“ Wer das selbst einmal ausprobieren möchte, kann sich auf der Homepage des Jugendamts informieren: www.jugend-im-erzbistum.de. Dort wird rechtzeitig angekündigt, wann im nächsten Jahr entsprechende Fahrten angeboten werden.